
Parkinson verstehen
Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung - und lässt sich heute über viele Jahre gut behandeln. Dieser Überblick erklärt, wie sie sich zeigt, wie häufig sie ist, wie sie entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist die Parkinson-Krankheit?
Die Parkinson-Krankheit ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Im Gehirn gehen nach und nach Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin herstellen - einen Signalstoff, der für flüssige, gut gesteuerte Bewegungen unverzichtbar ist. Fehlt Dopamin, geraten Bewegungsabläufe aus dem Takt.
Die Erkrankung beginnt meist schleichend und entwickelt sich über Jahre. Neben den bekannten Bewegungsstörungen gehören auch nicht-motorische Beschwerden dazu - einige zeigen sich bereits, bevor die Bewegung betroffen ist.
Heilbar ist die Parkinson-Krankheit nach heutigem Stand nicht. Aber die Beschwerden lassen sich mit einer guten Behandlung über lange Zeit deutlich lindern - viele Betroffene führen jahrelang ein aktives, selbstbestimmtes Leben.
Wie verbreitet die Parkinson-Krankheit ist
Die Parkinson-Krankheit betrifft vor allem ältere Menschen, kann aber auch früher auftreten. Die folgenden Zahlen ordnen ein, wie verbreitet sie ist - in Deutschland und weltweit.
über 1 %
der Menschen über 65 Jahre sind betroffen - die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an.
Quelle: Robert Koch-Institutüber 8,5 Mio.
Menschen sind weltweit betroffen - nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung.
Quelle: World Health OrganizationMänner und Frauen erkranken etwa gleich häufig. Weltweit hat sich die Zahl der Betroffenen in den vergangenen rund 25 Jahren etwa verdoppelt.
Woran sich die Parkinson-Krankheit zeigt
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden vier Kardinalsymptome der Bewegung. Für die Diagnose ist die Verlangsamung (Bradykinese) entscheidend, kombiniert mit mindestens einem der anderen Symptome. Hinzu kommen häufig nicht-motorische Beschwerden.
Die vier Kardinalsymptome
Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese) - Bewegungen werden kleiner und langsamer
Muskelsteife (Rigor) - erhöhte Spannung, die Bewegungen zäh macht
Zittern in Ruhe (Ruhetremor) - rhythmisches Zittern, das in Ruhe auftritt
Haltungs- und Gangunsicherheit - Gleichgewicht und Stabilität lassen nach
Häufige nicht-motorische Beschwerden
Störungen des Geruchssinns
Schlafstörungen und lebhafte Träume
Niedergeschlagenheit, Antriebsminderung oder Ängste
Verstopfung und andere vegetative Beschwerden
Veränderungen von Gedächtnis und Konzentration
Schmerzen und Missempfindungen
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt vor allem anhand des klinischen Bildes - der typischen Kombination der Bewegungssymptome und ihres Ansprechens auf Medikamente. Bildgebende Verfahren können ergänzend helfen, andere Ursachen auszuschließen. Der Verlauf wird oft in Stadien beschrieben, die von leichten Anfangsbeschwerden bis zu stärkerer Einschränkung reichen.
Nicht jedes Zittern ist Parkinson
Zittern kann viele Ursachen haben - etwa den weit verbreiteten essenziellen Tremor, der sich vom Parkinson-Tremor unterscheidet. Treten Bewegungsverlangsamung, Steifheit oder ein einseitig beginnendes Zittern über längere Zeit auf, ist eine neurologische Abklärung sinnvoll.
Wie die Parkinson-Krankheit entsteht
Im Zentrum steht der fortschreitende Verlust von Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion, der Substantia nigra (schwarze Substanz). Diese Zellen produzieren Dopamin. Sinkt der Dopaminspiegel, funktioniert die Feinsteuerung von Bewegungen nicht mehr richtig.
Warum diese Zellen zugrunde gehen, ist noch nicht abschließend geklärt. Man geht von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus; bei einem Teil der Betroffenen spielen erbliche Veranlagungen eine Rolle. Kennzeichnend sind Eiweißablagerungen in den Nervenzellen (sogenannte Lewy-Körperchen).
Alter
Der wichtigste Risikofaktor: Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an.
Genetische Faktoren
Bei einem Teil der Betroffenen tragen erbliche Veranlagungen zur Entstehung bei.
Umwelt und weitere Einflüsse
Diskutiert werden unter anderem bestimmte Umweltfaktoren; die genauen Zusammenhänge sind Gegenstand der Forschung.
Die Bewegungsnetzwerke, die bei Parkinson aus dem Takt geraten, sind auch der Ansatzpunkt von Verfahren der Hirnstimulation.
Verlauf und Erscheinungsformen
Die Parkinson-Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, unterscheidet man verschiedene Verlaufstypen.
Tremordominanter Typ
Das Zittern steht im Vordergrund. Dieser Typ schreitet häufig langsamer voran.
Akinetisch-rigider Typ
Bewegungsverlangsamung und Muskelsteife prägen das Bild; das Zittern ist gering oder fehlt.
Äquivalenz-Typ
Zittern, Steifheit und Verlangsamung treten etwa gleich stark auf.
Frühe Phase
Die Beschwerden sind oft einseitig und mild; mit Medikamenten lassen sie sich meist gut ausgleichen.
Fortgeschrittene Phase
Die Wirkung der Medikamente kann schwanken; Beweglichkeit und Alltag brauchen mehr Unterstützung.
Abzugrenzen: atypische Parkinson-Syndrome
Es gibt seltenere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, die anders verlaufen und behandelt werden - die genaue Abklärung ist deshalb wichtig.
Wie die Parkinson-Krankheit behandelt wird
Die Parkinson-Krankheit ist gut behandelbar, auch wenn sie nicht heilbar ist. Ziel ist, Beschwerden zu lindern und Beweglichkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Die Behandlung wird individuell zusammengestellt und im Verlauf angepasst.
Die Behandlung ruht auf mehreren Säulen
Medikamente
Sie gleichen den Dopaminmangel aus oder verstärken die Dopaminwirkung. Levodopa gilt als wirksamstes Medikament; daneben kommen unter anderem Dopaminagonisten und weitere Wirkstoffe zum Einsatz.
Aktivierende Therapien
Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und regelmäßige Bewegung helfen, Beweglichkeit, Sprache und Selbstständigkeit zu erhalten - ein zentraler Baustein in jeder Phase.
Verfahren für fortgeschrittene Phasen
Reichen Medikamente allein nicht mehr aus, kommen Pumpensysteme oder die tiefe Hirnstimulation infrage.
Der Platz der Hirnstimulation
Weil bei Parkinson bestimmte Bewegungsnetzwerke im Gehirn aus dem Takt geraten, lassen sie sich auch gezielt mit Stimulation beeinflussen. Die Verfahren unterscheiden sich stark in Invasivität, Zulassung und Studienlage.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Ein etabliertes, in Leitlinien verankertes Verfahren für fortgeschrittene Phasen: Über operativ eingesetzte Elektroden werden tiefe Hirnregionen dauerhaft stimuliert. Es ist wirksam, aber ein invasiver Eingriff und kommt nur für ausgewählte Patientinnen und Patienten infrage.
Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS / TMS)
Ein nicht-invasives Verfahren, das Hirnregionen mit Magnetimpulsen von außen stimuliert. Es wird bei Parkinson als ergänzender Ansatz untersucht - unter anderem für Bewegungs- und Stimmungssymptome; die Studienlage ist noch uneinheitlich (u. a. Meta-Analyse, eClinicalMedicine 2022).
Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)
Ein nicht-invasives Verfahren, das mit einem sehr schwachen Gleichstrom die Aktivität von Hirnregionen moduliert. Es wird in Studien als ergänzender Ansatz untersucht.
Transkranielle Pulsstimulation (TPS)
Ein neueres, nicht-invasives Verfahren mit fokussierten Schallimpulsen. Bei Parkinson steht die Erforschung noch am Anfang; der Einsatz erfolgt off-label im Rahmen eines individuellen Heilversuchs.
Die tiefe Hirnstimulation ist ein etabliertes, aber operatives Verfahren und wird in unserer Praxis nicht angeboten. Wir arbeiten mit nicht-invasiven Verfahren (TMS, tDCS, TPS); deren Einsatz bei Parkinson erfolgt off-label im Rahmen eines individuellen Heilversuchs. Ob und welches Verfahren infrage kommt, wird ärztlich im Einzelfall geprüft. Diese Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet (Selbstzahler).
Neurostimulation bei Parkinson in Berlin
In unserer Praxis für Neurostimulation in Berlin bieten wir nicht-invasive Verfahren der Hirnstimulation an: TMS, tDCS und TPS. Sie kommen ambulant zum Einsatz, ohne Operation und ohne Narkose.
Ob eine Neurostimulation für Ihre Situation sinnvoll ist, hängt von Ihrer Vorgeschichte, Ihrer Diagnose und Ihrer bisherigen Behandlung ab. Das klären wir vorab in einem ärztlichen Gespräch. Sie versteht sich als Ergänzung, nicht als Ersatz Ihrer neurologischen Behandlung.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Inhalte dieser Seite stützen sich auf die folgenden Fach- und Referenzquellen (Stand: Juli 2026):
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie Parkinson-Krankheit. Quelle
- Robert Koch-Institut: Die Parkinsonkrankheit - Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Journal of Health Monitoring (2025). Quelle
- Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV): Häufigkeit. Quelle
- World Health Organization: Parkinson disease, Fact sheet. Quelle
- Efficacy of repetitive transcranial magnetic stimulation in Parkinson's disease: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. eClinicalMedicine (2022). Quelle
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
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