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Hintergrundwissen

Was ist die repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS)?

Eine Spule an der Kopfoberfläche erzeugt kurze Magnetimpulse, die Nervenzellen in einem umschriebenen Areal der Hirnrinde anregen - ambulant, ohne Operation, ohne Narkose.

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (2022) empfiehlt die rTMS: Sie „sollte bei therapieresistenten depressiven Episoden angeboten werden“ (Empfehlung 7-29, Empfehlungsgrad B). Andere Indikationen behandeln wir als individuellen Heilversuch. Zur Leitlinie

Behandlung mit der repetitiven Transkraniellen Magnetstimulation in unserer Berliner Praxis
Wirkprinzip

Wie wirkt rTMS im Gehirn?

Das physikalische Prinzip ist gut verstanden, die biologischen Wirkpfade werden weiter erforscht. Drei Ebenen greifen ineinander:

Ein Magnetfeld, kein Strom

Durch die Spule läuft ein kurzer, starker Stromimpuls - in den Kopf gelangt davon nichts. Was wirkt, ist das Magnetfeld, das dabei entsteht: Es durchdringt Kopfhaut und Schädelknochen ungehindert und regt die Nervenzellen im Zielareal an. Die Feldstärke entspricht etwa der eines MRT-Geräts.

Erregbarkeit steuern

Ob ein Areal angeregt oder gedämpft wird, hängt vor allem von der Reizfrequenz ab: hochfrequente Stimulation (etwa 10 Hertz) steigert die Erregbarkeit, niederfrequente (etwa 1 Hertz) senkt sie. Bei der Depression wird üblicherweise der linke dorsolaterale präfrontale Kortex hochfrequent stimuliert - eine Region, die in Bildgebungsstudien häufig vermindert aktiv ist.

Wiederholung und Plastizität

Ein einzelner Impuls wirkt nur Millisekunden. Erst die Wiederholung über eine Behandlungsserie hinweg - daher "repetitiv" - führt zu länger anhaltenden Veränderungen der Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Beschrieben werden unter anderem Effekte auf Botenstoffe und auf die Kopplung zwischen entfernten Hirnarealen.

Behandlungsablauf

So läuft die Behandlung ab

Vom ersten Gespräch bis zum Abschluss der Serie - ambulant und ohne Nachwirkzeit.

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Schritt 1

Erstgespräch und Indikationsprüfung

Dr. Schwarz bespricht Ihre Situation, die bisherige Behandlung und Ihre Ziele. Dazu gehören Fragen nach Vorerkrankungen, Medikamenten und Implantaten. Das Gespräch ist kostenlos und unverbindlich.

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Schritt 2· 20-30 Sitzungen

Behandlungsserie

Die erste Sitzung dauert länger: Wir bestimmen die motorische Schwelle und legen das Zielareal fest. Mit dem Theta-Burst-Protokoll dauert eine Behandlungssitzung anschließend nur wenige Minuten, sodass sich mehrere an einem Tag durchführen lassen und die Serie kompakt geplant werden kann.

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Schritt 3

Gemeinsames Fazit

Zum Abschluss besprechen wir den Verlauf, das weitere Vorgehen und ob Erhaltungssitzungen sinnvoll sind.

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Die Sitzung

Wie sich eine Sitzung anfühlt - und was auftreten kann

Sie sitzen wach und entspannt in einem Behandlungsstuhl, die Spule liegt seitlich am Kopf an. Die Impulse sind als leichtes Klopfen auf der Kopfhaut spürbar - viele empfinden das als angenehm, manche als leicht unangenehm bis leicht schmerzhaft; die Einstellung passen wir dann an. Narkose oder Beruhigungsmittel sind nicht nötig, Ihre Fahrtüchtigkeit bleibt unbeeinträchtigt, Sie können unmittelbar danach nach Hause.

Studienlage

Was die Forschung zeigt

Die rTMS bei Depression ist seit über zwei Jahrzehnten Gegenstand kontrollierter Studien und in der S3-Leitlinie/Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (AWMF 2022) als Therapieoption aufgeführt. Drei Arbeiten daraus, jeweils mit ihren Grenzen:

2017n = 4233

rTMS bei akuten depressiven Episoden - Netzwerk-Metaanalyse der Protokolle

Brunoni, Chaimani, Moffa et al. · JAMA Psychiatry

Hochfrequenz-rTMS: Odds Ratio 3,07 (95%-KI 2,24-4,21) fuer Ansprechen gegenueber Schein

Einordnung: Fuer seltenere Protokolle lagen nur wenige Studien vor, die Schaetzungen sind dort entsprechend unpraeziser.

Zur Studie
2018n = 414

Effectiveness of Theta Burst versus High-Frequency Repetitive Transcranial Magnetic Stimulation in Patients With Depression (THREE-D): A Randomised Non-Inferiority Trial

Blumberger, Vila-Rodriguez, Thorpe et al. · The Lancet

HAMD-17 sank in beiden Gruppen praktisch identisch (23,5 -> 13,4 unter 10 Hz; 23,6 -> 13,4 unter iTBS) - iTBS war der 10-Hz-rTMS nicht unterlegen

Einordnung: Nichtunterlegenheitsstudie ohne Sham-Arm - sie belegt die Gleichwertigkeit beider aktiver Protokolle, nicht die Überlegenheit gegenüber einer Scheinbehandlung (dafür stehen die sham-kontrollierten Studien). Offene Behandlung mit verblindeter Auswertung; untersucht wurde therapieresistente Depression.

Zur Studie
2012n = 307

Transcranial Magnetic Stimulation (TMS) for Major Depression: A Multisite, Naturalistic, Observational Study of Acute Treatment Outcomes in Clinical Practice

Carpenter, Janicak, Aaronson et al. · Depression and Anxiety

Ansprechrate (klinisch, CGI-S): 58,0%; Remission: 37,1%

Einordnung: Naturalistische Beobachtung ohne Kontroll-/Sham-Gruppe - ein Placebo-Anteil lässt sich nicht herausrechnen, kein randomisiertes Design. Die Stärke liegt in der Übertragbarkeit auf die reale Versorgungspraxis, nicht im kausalen Wirksamkeitsnachweis (den liefern die RCTs).

Zur Studie
Zielbestimmung

Wie wir Intensität und Zielareal festlegen

Vor der ersten Behandlung bestimmen wir Ihre motorische Schwelle: Die Spule wird über dem Motorkortex positioniert und die Intensität so lange angepasst, bis ein sichtbares Zucken der Handmuskulatur auftritt. Die Behandlungsintensität wird anschließend als Prozentsatz dieser persönlichen Schwelle festgelegt - jeder Kopf leitet das Magnetfeld etwas anders.

Das Zielareal über dem präfrontalen Kortex legen wir anhand standardisierter Kopfmaße fest (Beam-F3-Methode auf Basis des internationalen 10-20-Systems). Wir arbeiten dabei bewusst nicht neuronavigiert: Eine bildgeführte Zielbestimmung anhand einer individuellen MRT bieten wir bei der rTMS nicht an.

Die Lokalisation über Kopfmaße ist bei den etablierten Depressionsprotokollen das gebräuchliche Vorgehen. Ob eine Neuronavigation das Behandlungsergebnis verbessert, wird in der Fachliteratur unterschiedlich beurteilt. Studienprotokolle, die eine individuelle bildgeführte Zielbestimmung voraussetzen, führen wir entsprechend nicht durch.

Übrigens: Bei der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) arbeiten wir sehr wohl MRT-gestützt - dort gehört die Navigation zum Verfahren. Zur TPS-Seite

Kosten

Kosten und Erstattung

Private Krankenversicherungen und die Beihilfe erstatten die rTMS je nach Tarif meist ganz oder teilweise; die ärztliche Begründung dafür stellen wir Ihnen aus. Die gesetzlichen Krankenkassen führen das Verfahren nicht in ihrem Leistungskatalog - dort ist die rTMS damit eine Selbstzahlerleistung: Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) je Sitzung, für eine Serie mit 20 Sitzungen sind das rund 1.975 €. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Kontakt

Fragen zur rTMS?

Ob die rTMS für Ihre Situation infrage kommt, lässt sich am besten im Gespräch klären. Schreiben Sie uns - wir melden uns zurück.

Mit Angabe der Telefonnummer kontaktieren wir Sie ggf., um mehr über Ihre Erkrankung zu erfahren.

Wir melden uns so bald wie möglich bei Ihnen.